Winterpaddeln – Kleidung und Sicherheit
Kann man im Winter paddeln?
Wenn man darüber nachdenkt, ist die Antwort offensichtlich. Kajakfahren ist ursprünglich eine arktische Aktivität, die in eiskaltem Wasser ausgeübt wurde. Die Jagd mit der Harpune vom Kajak aus war für die Inuit überlebenswichtig, obwohl selbst im Sommer Eisberge an der Küste vorbeitrieben.
Paddeln im Winter ist ein ganz besonderes Erlebnis! Man ist meist allein auf dem Wasser. Die Geräusche sind anders, gedämpfter, und man entgeht dem Lärm von Motorbooten und Jetskis. Regen und Schnee sind kein großes Problem – Kajak und Spritzdecke bedecken etwa 75 % des Körpers, und die unbedeckten Stellen – Schultern und Arme – sind beim Paddeln aktiv.
Die Stille und Abgeschiedenheit bringen natürlich auch gewisse Herausforderungen mit sich. In einer Notsituation müssen Sie sich etwas anders vorbereiten als im Sommer. Hilfe ist meist etwas weiter entfernt, und die Wassertemperatur sollte unbedingt beachtet werden. Wenn Sie unerfahren sind, sollten Sie nicht alleine paddeln! Im Winter benötigen Sie generell etwas größere Sicherheitsabstände.
Einfach ausgedrückt: Mit einem Neoprenanzug verlängern Sie Ihre Paddelsaison, mit einem Trockenanzug können Sie das ganze Jahr über paddeln. Bedenken Sie jedoch, dass der Anzug nur für eine begrenzte Zeit Schutz bietet – Sie sollten so schnell wie möglich aus dem Wasser kommen. Der Trockenanzug isoliert außerdem nicht selbst; Sie müssen etwas darunter tragen. Vermeiden Sie Baumwolle! Direkt auf der Haut würde ich Merinowolle wählen. Sie isoliert auch im nassen Zustand, kratzt nicht und kann im Gegensatz zu synthetischen Materialien drei bis vier Tage getragen werden, bevor sie anfängt zu riechen. Die Füße – zumindest meine – kommen erstaunlich gut damit zurecht. Sie sind tief im Anzug vor Regen und Witterungseinflüssen geschützt und fühlen sich mit Wollsocken und einfachen Neoprenschuhen wohl. Sind Sie kälteempfindlich? Dann besorgen Sie sich Neoprenschuhe – normale Gummistiefel passen oft nicht richtig. Außerdem gehen sie leicht verloren, wenn Sie ins Wasser fallen.
Für mich sind die Hände ein besonders empfindliches Thema. Da ich schnell friere, trage ich dicke Neoprenhandschuhe – sie isolieren auch im nassen Zustand recht gut. Viele verwenden gewöhnliche Gummihandschuhe zum Spülen (möglichst groß) mit Wollfingerhandschuhen darunter. Darüber kann man sogenannte „Pogies“ anziehen, große, topfhandschuhähnliche Überzüge, die man am Stiel des Paddels befestigt und in die man die Hände hineinsteckt.
Hat Ihr Trockenanzug keine Kapuze, ist eine Sturmhaube warm und bequem und kann abwechselnd mit einer normalen Wollmütze getragen werden. Separate Neoprenhauben sind ebenfalls erhältlich.
Denken Sie daran, dass Sie im Kajak aktiv sind – durch das Paddeln wird Ihnen ziemlich warm. An Land friert man normalerweise. Packen Sie daher unbedingt eine gute Daunenjacke ein! Wechselkleidung gehört natürlich auch in Ihre Ausrüstung.
Mit Eispickeln kann man kurze Strecken über das Eis zurücklegen. Man sollte sich jedoch bewusst sein, wie sich Eisschollen an engen Stellen bei fließendem Wasser oder starkem Wind ansammeln. Beim Aufbruch mag es noch klar sein, doch ein paar Stunden später kann es sich zu einem undurchdringlichen Eisbrei verwandelt haben!
Bereiten Sie sich mental vor: Was mache ich, wenn ich kentere? Kann ich die Spritzdecke mit Handschuhen lösen? Testen Sie das, bevor Sie losfahren!
Aber mit etwas Paddelerfahrung, der richtigen Kleidung und ein bisschen gesundem Menschenverstand kann man auch an einem Wintertag paddeln und Spaß haben. Versprochen, es ist ein ganz besonderes Erlebnis! Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich selbst an einem klaren Februartag mit den Eispickeln über die Eiskante glitt. Das Kajak wurde lautlos, als es ins dunkle Wasser eintauchte, und als ich um die Landzunge herumkam, sah ich einen anderen Paddler, der völlig regungslos mit gesenktem Kopf am Ufer lag. Ich sah ihn an und fragte mich, ob er Hilfe brauchte. Bevor ich fragen konnte, blickte er auf und lächelte mich an, als hätte er meine Gedanken gelesen.
– Ich höre die Musik, sagte er – es war das Klirren der Eiskristalle am Felsrand.
Bekleidungstipps fürs Winterpaddeln
* Trockenanzug
* Wolle direkt auf der Haut
* Ein warmes Oberbekleidungsstück, vorzugsweise eine Daunenjacke, für den Tag, an dem Sie an Land gehen
* Richtige Fäustlinge, am besten zwei Paar – nasse Fäustlinge nach der Kaffeepause sind kein Vergnügen!
* Trockene Wechselkleidung
* Licht. Die Dunkelheit bricht schnell herein! Ein Fahrradlicht (weißes Licht!) in einer Plastiktüte an Deck ist ideal.
Wenn Sie unerfahren sind, bringen Sie einen Paddelpartner mit und bleiben Sie in Ufernähe!
Ansonsten: das Übliche, d.h. Schwimmweste, Pumpe, Paddelfloat und Mobiltelefon, und nicht zuletzt: eine gute Portion gesunden Menschenverstand.
Viel Spaß beim Paddeln!