Navigation für Kajakfahrer

Navigation for Kayak Paddlers

Finde deinen Weg mit Karte und Kompass

Navigation bedeutet, sich auf dem Wasser kontrolliert zu orientieren. Grundsätzlich sollte man wissen, wo man sich befindet und wohin man will. Paddelt man in vertrauten Gewässern, hat man in der Regel keine Navigationsprobleme. Sobald man sich jedoch in unbekannte Gewässer wagt, wird Navigation unerlässlich. Zur Unterstützung benötigt man eine Karte und idealerweise auch einen Kompass. Man kann zwar auch ein GPS-Gerät verwenden, dieses ist jedoch empfindlich gegenüber Wasser und batteriebetrieben und sollte daher nach Ansicht vieler eher als Ergänzung zu Karte und Kompass betrachtet werden. Karte und Kompass sind immer zuverlässig.

Bei günstigem Wetter und in weniger bekannten Gewässern genügt es oft, sich an der Karte zu orientieren, um während der gesamten Reise den Überblick zu behalten. Beim Überqueren eines größeren Gewässers, beispielsweise einer Bucht, oder bei der Annäherung an einen Archipel vom offenen Meer aus sieht man oft nur einen eintönigen Landrücken vor sich. Was aus der Vogelperspektive der Karte einfach erscheint, wird in der Horizontalansicht deutlich schwieriger. Einzelne Inseln und schmale Meeresarme, Buchten und Fjorde sind dann kaum noch zu erkennen. Mit Kompass und Karte lässt sich der Kurs jedoch problemlos halten. Geraten Sie in Nebel, der im Frühling und Herbst bei großen Temperaturunterschieden zwischen Wasser und Luft häufig auftritt, verlieren Sie ohne Kompass schnell die Orientierung.

Seekarten

Grundsätzlich stehen Ihnen für Reisen entlang der Küste und auf unseren größten Seen zwei Kartentypen zur Auswahl: Seekarten und topografische Karten. Seekarten liefern sehr gute Informationen über das Seegebiet. Die umliegende Landschaft ist – bis auf wenige Ausnahmen – nicht dargestellt. Ausnahmen können beispielsweise hohe Berge, Türme usw. sein, die vom Meer aus gut sichtbar sind und als gute Navigationspunkte dienen. Seekarten zeigen jedoch alle Seezeichen wie Bojen, Steinmännchen und Leuchttürme sehr gut an. Die Schifffahrtsrouten sind somit deutlich erkennbar. Als Kanufahrer sollten Sie diese während der Bootssaison aufgrund der Gefahr von Kollisionen oder starkem Wellengang möglichst meiden. Gleichzeitig benötigen Sie in der Regel keine Karte, um den Verlauf der Schifffahrtsrouten zu erkennen. Dies ist meist durch den oft dichten Schiffsverkehr ersichtlich.

Topografische Karten

Topografische Karten liefern Informationen sowohl über das Meer als auch über das Land. Im Seeteil sind Schifffahrtswege und bestimmte Leuchttürme eingezeichnet, allerdings weniger deutlich als auf Seekarten. Der Landteil hingegen ist wesentlich detaillierter. Wie der Name schon sagt, wird die Topografie sehr klar und detailliert dargestellt. Die Silhouetten der Inseln sind gut erkennbar, da alle Höhenunterschiede eingezeichnet sind. Gebäude, größere Molen, Steilküsten, Waldgebiete usw. sind deutlich gekennzeichnet. Da man als Kajakfahrer fast immer Land im Blick hat, ist die topografische Karte meiner Meinung nach vorzuziehen. Die Meinungen dazu gehen jedoch oft auseinander. In einer Gruppe kann man beide Kartentypen mitnehmen. Die topografische Karte im Maßstab 1:50.000, auch Grüne Karte oder Geländekarte genannt, ist am besten geeignet, da sie ausreichend Details bietet. Die Blaue Karte, auch Straßenkarte genannt, im Maßstab 1:100.000 kann ebenfalls nützlich sein, zeigt aber weniger Details. An Küsten mit wenigen oder gar keinen Inseln kann dies ausreichend sein, z. B. an den Ostküsten von Schonen und Blekinge, der Südküste von Småland und der Küste von Halland. Seekarten gibt es als Übersichtskarten (meist im Maßstab 1:50.000), Küstenkarten (1:180.000–1:250.000), Schärenkarten (1:50.000) und Spezialkarten für stark befahrene oder schwer zu navigierende Gebiete. Es gibt auch sogenannte Sportbootskarten mit speziellen Informationen für die Schifffahrt. Diese sind jedoch für die Kajaknutzung recht unhandlich. Unabhängig von der gewählten Karte sollte diese stets griffbereit vor Ihnen liegen, entweder im Cockpit oder auf dem Vordeck. Achten Sie darauf, dass die Karte in einer wasserdichten Kartenhülle steckt, die an den Decksleinen befestigt ist. Schon der kleinste Windstoß kann Karte und Hülle sonst wegwehen.

Kompass

Was den Kompass angeht, reicht ein loses Exemplar im Cockpit aus. Befestigen Sie es mit einer Schnur an einer Deckleine, damit es nicht ins Wasser fällt. Viele haben auch einen fest installierten Kompass auf dem Vordeck. Dieser muss vom Paddler aus gut ablesbar sein. Mit dem losen Kompass nehmen Sie die gewünschte Kursrichtung auf der Karte vor, lesen den Gradwert ab und stellen dann sicher, dass der fest installierte Kompass während des Paddelns denselben Wert beibehält. Um sich nicht zu sehr auf den Kompass zu fixieren, suchen Sie nach einem markanten Punkt am Ufer in Ihrer Paddelrichtung oder in dessen Nähe und paddeln Sie darauf zu. Das hilft Ihnen auch, bei Wind leichter das Gleichgewicht zu halten und macht das Paddeln komfortabler. Normalerweise kommt man also mit einem losen Kompass gut zurecht. Ein fest installierter Kompass vereinfacht die Vorgehensweise jedoch, bietet mehr Sicherheit bei Nebel und schlechtem Wetter und zeigt Windrichtungsänderungen sofort an, ohne dass Sie anhalten müssen, um den losen Kompass zu überprüfen.

Eine Kompasspeilung vornehmen

Üben Sie an Land, wie man mit dem Kompass peilt, damit Sie im Kajak schnell den richtigen Kurs finden, auch wenn Sie gleichzeitig andere Dinge im Kopf haben. Der Kompass besteht aus zwei Teilen: einer oft transparenten Kunststoffgrundplatte mit einem festen Pfeil und parallelen Linien sowie dem drehbaren Kompassgehäuse. Legen Sie den Kompass so auf die gewünschte Route auf der Karte, dass seine Kante in diese Richtung zeigt. Der feste Pfeil sollte die Richtung anzeigen, in die Sie vom Start zum Ziel fahren möchten. Drehen Sie das Kompassgehäuse so, dass die Nordmarkierung auf der Karte nach Norden zeigt. Das ist wichtig. Wenn Sie die Südmarkierung nach Norden ausrichten, zeigt der Kompass um 180 Grad ab, und Sie fahren genau in die entgegengesetzte Richtung. Drehen Sie das Kompassgehäuse so, dass die Linien an der Unterseite parallel zu einem Meridian auf der Karte verlaufen. Meridiane sind Linien, die von Süd nach Nord verlaufen und die Pole verbinden. Legen Sie nun die Karte beiseite und drehen Sie den Kompass – ohne das Gehäuse zu berühren – so in der Hand, dass die bewegliche Nadel im Inneren auf die Nordmarkierung am Gehäuserand zeigt. Sobald die Nadel mit der Nordmarkierung übereinstimmt, zeigt der feste Pfeil die Richtung an, in die Sie gehen sollten.

Befestigen Sie die Kartentasche an den Decksleinen in Lese- und Reichweite auf dem Vordeck. Bringen Sie außerdem einen einfachen Handkompass mit kurzer Schnur mit, den Sie auf dieselbe Weise befestigen. Optional können Sie zusätzlich einen fest installierten Kompass auf dem Vordeck anbringen.