Kajakpaddeln in Fyrudden – Häradsskär
Häradsskär bildet den südlichsten Außenposten des weitläufigen Östgöta-Archipels. Von den kahlen Klippen aus, an denen der Leuchtturm Heidenstam aus dem Jahr 1863 Seefahrern den Weg zur Küste weist, eröffnet sich hier ein endloser Blick auf das offene Meer. Schon die Anreise mit dem Kajak ist ein kleines Abenteuer. Wer im Voraus bucht, kann in einer der Hütten auf der Insel übernachten oder sein eigenes Zelt mitbringen.
Start und Ziel: Fyrudden, ein Fischereihafen außerhalb von Valdemarsvik; alternativ der Campingplatz Ekön mit Kajakverleih etwas südlich von Fyrudden.
Distanz: 22 km Rundweg
Schwierigkeit: Mittelschwer bis schwierig. Die letzten 3 Kilometer bis Häradsskär führen über offenes Wasser, das Wind und Wetter ausgesetzt ist.
Die Reise bietet: Fein geschnitztes Archipel, der Leuchtturm Sandö an der Einfahrt in das Archipel, Lagune, offenes Meer, alte Lotsenstation und der Leuchtturm Heidenstam auf Häradsskär.
Kajakverleih: Ostküste Kajak, Kustcamp Ekön, Gryt. www.ostkustenkajak.se; Telefon: 073-0410388
Meine Paddeltour
Vom Hafen Fyrudden aus überquere ich die offene Bucht direkt nach Osten in Richtung Kättilö, einer der ganzjährig bewohnten Inseln dieses Teils des Schärenmeers. Ich folge der Westküste der Insel südwärts bis zum südlichsten Punkt, Bådudden. Hier erhasche ich einen Blick auf das offene Meer im Süden zwischen Kviholmen und Lilla Barnsö. Es ist später Nachmittag, und mit der wärmenden Sonne im Rücken beschließe ich, abends nach Häradsskär zu paddeln, um das offene Meer zu erleben und den wunderschönen Sonnenuntergang auf See zu genießen. Der Wellengang des Tages, verstärkt durch die Nachmittagsbrise, sorgt noch immer für eine etwas unruhige Fahrt, wenn keine Inseln und Schären Schutz bieten. Nördlich von Barnsö findet man jedoch Schutz. Ich fahre in die äußere Fahrrinne ein, die von Süden her in den Schärenmeer führt. Nur wenige späte Segler stören die Stille in der sonst recht belebten Fahrrinne. Der Leuchtturm von Sandö markiert die Einfahrt von Süden, und hier liegt das offene Meer an Steuerbord. Nach Vässlingsö paddle ich zügig in den Alsundet und biege rechts in die Lagune ein, die im Süden von Lisselfjärd und Ekholmen und im Norden von Långholmen begrenzt wird. Dieser Ort ist bei Bootsfahrern beliebt, doch im Moment herrscht hier Stille. Kein Boot ist zu sehen. Die Dämmerung bricht herein, als ich Kurs auf Häradsskär über offenes Wasser nehme. Die Wellen haben sich gelegt. Es ist ruhig und still. Ein fantastisches rosafarbenes Abendlicht liegt über dem Wasser. Der Leuchtturm und der Lotsenposten auf Häradsskär heben sich scharf vom Horizont ab, drei Kilometer weiter draußen auf See. Ich gehe im kleinen Hafen an der Westseite von Häradsskär an Land. Eine gute Alternative zum Anlanden bietet die Meerenge zwischen Häradsskär und Stångskär. Am besten nähert man sich von Norden, da die südliche Einfahrt fast zu flach ist. Auf Stångskär, unterhalb der alten Leuchtturmwärterhäuser, gibt es eine ebene, grasbewachsene Fläche zum Anlanden. Der Blick von den Klippen aufs Meer ist im späten Abendlicht, das sich in den Fenstern des Lotsenturms spiegelt, fast magisch. Die Leuchtturmstation besteht eigentlich aus zwei Inseln, Häradsskär und Stångskär, die durch eine Fußgängerbrücke miteinander verbunden sind. Doch diesmal habe ich keine Zeit, das näher zu erkunden. Nach einer kurzen Essenspause steige ich wieder ins Kajak und beginne die Rückfahrt auf demselben Weg. Auf dem Rückweg ist das Wasser nun spiegelglatt. Die dunklen Silhouetten der Inseln spiegeln sich im Wasser, und die verbleibenden Schatten werden immer länger. Der Leuchtturm von Sandö an der südlichen Zufahrt zum Schärengarten ist jedoch deutlich zu erkennen. Es ist fast dunkel, als ich Barnsö erreiche, wo ich mein Kuppelzelt auf einer Klippe an der Südwestseite der Insel aufschlage, wo ich schon vor vielen Jahren gezeltet hatte.
Am nächsten Morgen scheint die Sonne und es weht ein leichter Wind. Die offene Bucht Flisdjupet im Süden liegt ruhig da, nur die See ist von sanften, schweren Dünungen gekräuselt. Das Zuwasserlassen gelingt problemlos. Ich folge der Südseite der Inselkette, die den dichten Schärengarten im Norden vom offenen Meer im Süden trennt. Die felsigen Südküsten von Kviholmen und Skrakholmen ziehen an Steuerbord vorbei. Achtern kann ich im Gegenlicht die Silhouette des Leuchtturms und des Radarmastes auf Häradsskär erkennen. Ich überquere Flisörännan und fahre zum Campingplatz und Strand von Ekön, wo ich neben dem Kajakverleih an Land gehe. Ich schwimme kurz am schwimmenden Steg direkt vor der Küste und bereite mir eine Suppe auf dem Campingkocher zu, bevor ich wieder ins Cockpit klettere. Ich paddle durch Flisörännan nordwärts. Hier verläuft die innere Küstenstraße entlang des Ufers, sodass der Schiffsverkehr zeitweise recht dicht sein kann. Im Moment ist es ruhig, nur wenige Ausflugsboote fahren gemächlich vorbei. Vor mir liegt der Hafen von Fyrudden. Ich umrunde den Pier und paddle von Norden zur Rampe an der Nordseite des Hafenkomplexes. Hier sind keine anderen Boote im Weg. Ich gehe an Land und ziehe das Kajak an Land, damit es nicht den Weg blockiert.
Geschichte der Region
Häradsskär und Stångskär bilden einen kleinen Archipel am äußersten Rand des Meeresstreifens. Es gibt keine ständigen Bewohner mehr, doch die Inseln sind seit Jahrhunderten besiedelt. Bereits im Mittelalter hielten sich Fischer saisonal hier auf. 1697 wurde per Dekret ein ständiger Lotse für Häradsskär bestimmt. 1775 lebten sieben Lotsenfamilien auf der Insel. Auf Stångskär stand einst ein Seezeichen in Form eines hohen Pfahls mit einem weißen Fass an der Spitze. Dieses Seezeichen wird bereits im 17. Jahrhundert erwähnt und gab der Insel ihren Namen. 1745 wurde es durch ein Leuchtfeuer ersetzt, das damals als das schönste des Landes galt. 1863 wurde das Leuchtfeuer durch einen Heidenstam-Leuchtturm aus Eisen ersetzt. Daraufhin zogen die Leuchtturmwärter nach Stångskär, wodurch die Bevölkerung weiter anstieg. Zwischen 1888 und 1935 lebten hier so viele Menschen, dass eine Schule erforderlich wurde. 1960 wurde der Leuchtturm elektrifiziert und benötigte daher keine Besatzung mehr. Die Lotsentätigkeit wurde bis 1968 fortgesetzt. Der Leuchtturm ist ein sogenanntes Landfallfeuer; vom offenen Meer aus sollte man anhand seiner Eigenschaften die eigene Position sicher bestimmen und entlang der Küste und der küstennahen Fahrrinnen an Land gehen können. Weitere Leuchtturmtypen sind Leitfeuer und Richtfeuer. Die Inseln wurden während des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Krieges befestigt. Diese Befestigungen sind heute abgerissen oder entfernt. Ein moderner, 50 Meter hoher Radarmast des Militärs ist jedoch erhalten geblieben.